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Baugeschichte der Oberwiehre 2

in der Mittelwiehre
Urachstrasse

Architektur in der Oberwiehre
Das Dortu-Grab auf dem alten Wiehre-Friedhof

Wandern auf baugeschichtlichen Pfaden in der „Wanderwiehre“

Es wäre ein größerer Spaziergang - sogar fast bis zum Theater - geworden, wenn wir alle Stellen in Freiburg abgelaufen wären, die einst als Wiehre bezeichnet wurden. Trotz Erwähnung in der sogenannten Wildbann-Urkunde vor 1000 Jahren gab es damals kein Dorf gleichen Namens; die „Wiehre“ wurde an verschiedenen Stellen verortet, wurde daher auch gelegentlich als „Wanderwiehre“ bezeichnet. Die Vorstädte, darunter auch Adelhausen mit den beiden Kloster, wurden immer wieder zerstört und die Bewohner mussten sich innerhalb der befestigten Stadt niederlassen. Erst 1745 mit dem endgültigen Wiederaufbau der Wiehre, war die „Wanderwiehre“ an ihrer heutigen Stelle angekommen.

Zu dem Ersatztermin für die baugeschichtliche Führung, der von Herrn Kalchthaler freundlicherweise ermöglicht wurde, kamen ca. 60 Interessierte, die diese Geschichten und viele weitere vom Leiter des Museums für Stadtgeschichte bei der letzen im Rahmen des Jubiläums veranstalteten Wiehre-Führungen erfahren konnten.

Bereits am „Alten Wiehrebahnhof“ lernten wir die altbekannte Umgebung aus einer neuen Perspektive kennen: weist die Urachstraße mit ihrem breiten Straßenraum, den repräsentativen Villen (die aus touristischen Aspekten mit Schwarzwaldmotiven verziert sind), einem (ehemaligen) Hotel an der Ecke zur Hildastraße und einem Gasthaus doch alle Merkmale einer typischen Bahnhofstraße auf. Der alte Wiehrebahnhof diente als Bahnhof für die Höllentalbahn bis die Bahntrasse ihren heutigen Verlauf bekam und der neue Wiehrebahnhof 1934 eröffnet wurde. Noch heute ist die alte Bahntrasse unbebaut und an der Grünspange ablesbar. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden hier lediglich einzelne provisorische Holzbauten errichtet, die als Ausgabestellen für die sogenannten „Quäkerspeisen“ dienten. Heute erinnert der Name Quäkerstraße an diese wichtige Hilfeleistung.

Beim Gang durch die Straßenzüge berichtete Herr Kalchthaler, dass die Immobilienwirtschaft bereits zur Gründerzeit der Wiehre florierte. Die Häuser in der Unterwiehere waren in erster Linie „Spekulationsobjekte“, die von einem Bauherren errichtet und die Wohnungen einzeln verkauft wurden. Im Bereich der Zasiusstraße überwiegte hingegen die Bauherrennutzung: im Vorderhaus wohnte der Bauherr, im Hinterhaus war seine Werkstatt eingerichtet. Auch heute finden sich dort noch vereinzelt Handwerksbetriebe. Die Gebäude wurden als Reihenhäuser in einem relativ einheitlichen Stil errichtet, den die Bauherren scheinbar miteinander abgestimmt haben. Und die uns heute so wertvoll erscheinenden Details wie Fassadenverzierungen, Balkonelemente etc. waren nicht etwa einzeln angefertigte Handwerkerleistungen, sondern Standardelemente aus dem Katalog oder dem Baumarkt.

Interessant für alle war es zu erfahren, dass im Gebäude an der Ecke Turnseestraße - Zasiusstraße damals der Veranstaltungssaal der Wiehre untergebracht war. Der Davidstern an der Fassade, das Zunftzeichen der Bierbrauer und Mälzer und Symbol für die Ausgabestelle des Haustrunks einer Brauerei lässt vermuten, dass hier sicher oft fröhlich gefeiert wurde.

Im Jahre 1872 war es dann vorbei mit der Eigenständigkeit, die „Vorstadt Wiehre“ wurde offiziell eingemeindet. Um die Interessen des Stadtteils auch weiterhin zu vertreten, wurde bereits drei Jahre später der Bürgerverein Wiehre als erster Bürgerverein Freiburgs gegründet. Nach zwei Stunden voller Informationen und spannender Geschichten traten die Teilnehmer zufrieden den Heimweg an und werden ihren Stadtteil sicher zukünftig mit ganz anderen Augen sehen.

Heidrun Haag-Bingemann

 

 





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