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Bedrohung für die Kartauswiesen!!

Universitäre Nutzung – ein Schritt über den „Rubikon“ 

[16.03.2006]
Bei den Kartauswiesen handelt es sich um eine der letzten großen Grünflächen im Osten Freiburgs zwischen Hirzbergnase und Ebneter Gemarkung, nördlich der Dreisam gelegen.

Begehrlichkeiten von Seiten des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, als diese Grünfläche noch der Universität zugesagt war.

Nun sind sowohl in der Bürgerbeteiligung als auch in den Beschlüssen des Gemeinderats  zum Flächennutzungsplan diese Nutzungsoptionen für die Uni aufgehoben worden. Dagegen legte die Universität Widerspruch ein -  und eine Planung vor, die aus ihrer Sicht keinerlei negativen Einfluss auf das Gelände habe. Beim Vorstand des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee läuten deshalb die Alarmglocken, denn es ist zu befürchten, dass die jetzt vorgeschlagenen ersten - scheinbar unauffällige Maßnahmen weitere und tiefgreifende Schritte nach sich ziehen werden.

Konkret sieht die Universität auf den Kartauswiesen im westlichen Bereich die Anlage eines Rasenspielfeldes vor, auf dem Freizeitsportler nach Unterrichtsende in der Universität Sport betreiben können – z.B. Fußball spielen. Die Fußballtore werden angeblich nach Spielschluss wieder über die Dreisam abtransportiert.  Das klingt tatsächlich zunächst nicht wie ein großer Eingriff - allerdings soll dafür nach den ursprünglichen Plänen der Uni aber extra eine Brücke gebaut werden !

Es wird deshalb kaum bei einer bloßen Umwandlung von Acker in eine Rasenfläche bleiben. Um die Qualität der gewünschten Rasensportfläche (v.a. für Fußball) zu sichern, ist mit weiteren baulichen Maßnahmen zu rechnen (z.B. Drainierung der Fläche - falls nicht schon von Anfang an, dann doch spätestens nach Beginn der Nutzung, wenn aus dem Rasenplatz wegen der Witterung und wegen mangelndem Unterbau wieder eine Art Fußball -„Acker“ zu entstehen droht). Auch ist die spätere Forderung nicht auszuschließen, dass zur Ausdehnung der Nutzungszeiten bis in den Abend hinein eine Flutlichtanlage installiert werden sollte.

Weitere mögliche Folgen einer  Umwidmung des Geländes könnten sein:

  • Diese höchst attraktive Fläche in bester Lage wird auch viele Nicht-Studenten zu vielfältiger (auch nichtsportlicher) Nutzung anlocken.
  • Dies kann/wird, da das Gelände nicht umzäunt sein soll, zu Konflikten zwischen studentischen und Freizeitnutzern führen.
  • Ein Szenario wie auf der Sternwaldwiese ist darüber hinaus leicht vorstellbar: Feuerstellen, Abfälle, Scherben. Die nicht eingezäunte schöne Rasenfläche lädt ja geradezu zur Picknicknutzung etc. ein und ist das ideale Grillgelände; denn der holzreiche Wald ist nur wenige Schritte entfernt; und so sind im Sommer nächtliche Gelage bis zum Morgengrauen zu erwarten.
  • Erfahrungsgemäß wird dann wegen der absehbaren Überfüllung der Fläche auf die landwirtschaftlich genutzten Nachbargebiete ausgewichen und auch das östlich gelegene Biotop in Mitleidenschaft gezogen werden.

Um all das zu verhindern, das heißt den Nutzerkreis zu kontrollieren, scheint die Forderung der Universität nach Einzäunung innerhalb kürzester Zeit so gut wie sicher zu sein. Da dieser Wunsch ja nachvollziehbar wäre, ist mit einer Ablehnung seitens der Stadtverwaltung kaum zu rechnen. Das Landschaftsbild wäre durch eine großflächige Rundum - Einzäunung dann aber massiv beeinträchtigt.

Weitere Wünsche nach zusätzlicher Infrastruktur sind auf Dauer absehbar: Abstellmöglichkeiten für Fahr- und Motorräder und  Autos, Sitzgelegenheiten am Spielfeldrand, Aufbewahrungsmöglichkeiten für Spiel- und Sportgeräte (wie die mobilen Fußballtore), Kleider und sonstige Utensilien (Sporttaschen, Wertsachen, Regenschutz, Getränke, Esswaren etc). Deshalb kommt gewiss bald die Forderung nach festen abschließbaren Behältnissen -  am Ende gar Umkleiden und Duschen.

Das bedeutet: Die Möblierung oder der Neubau weiterer Anlagen ist wahrscheinlich, womit nicht nur durch die tatsächliche Nutzung, sondern auch baulich das Landschaftsbild beeinträchtigt, und durch zusätzliche Attraktivitätssteigerung eine intensive Nutzung noch verstärken würde.

Wir müssen dieses einmalige Naherholungsgebiet und Landschaftsbild erhalten. Dies sehen wir nicht so sehr durch eine Rasenspielfläche beeinträchtigt als vielmehr durch die zu erwartenden weiteren Nutzungen und nachfolgenden baulichen Veränderungen.

Die  Ausweitung des Sportinstitutes über die Dreisam halten wir für einen Schritt „über den Rubikon“. Damit wäre der Damm gebrochen und dem Beginn baulicher Veränderungen nördlich der Dreisam auch in diesem Bereich Tür und (im wahrsten Sinne des Wortes) Tor geöffnet. Die Auswirkungen sind nicht beherrschbar.

Bislang befinden sich im Freiburger Osten auf der Dreisam-Südseite überall Zonen mit viel Aktivitäten: Schulen, Spielplätze, Sportstätten, während es nördlich eher ruhig zugeht – insbesondere an den Kartauswiesen. Diese Ruhe- und Rückzugsbereiche für Mensch und Natur sind durch eine solche Nutzung in Gefahr.

Wir fragen uns daher, warum Raum für Freizeitsport für die Studierenden  - eine durchaus berechtigte Forderung – an anderer Stelle in der Stadt nicht weitaus passender zu erstellen wäre, nämlich dort, wo viele Studenten ihre Lehrstätten besuchen, wohnen oder ihre Freizeit verbringen. Beim Sportinstitut gibt es tagsüber – und durchaus jetzt schon abends - genügend Angebote. Und die Sportler selbst unternehmen ja vielleicht nach einem langen, sportlichen Studiertag auch noch anderes...

Fazit: aus Sicht des Bürgervereins muss das nördliche Dreisamufer freibleiben von jeglicher sportlichen Nutzung, die innerhalb kürzester Zeit auch mit baulichen Maßnahmen verbunden wäre: Die Kartauswiesen sind ein unvergleichlicher  Schatz, ein Kleinod, das es zu bewahren gilt.
 

Der Vorstand des Bürgervereins





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