Die Geschichte des Mösleparks
Der Möslepark ist eine der ältesten Parkanlagen der Stadt Freiburg. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. setzte eine systematische Durchgrünung der Stadt ein. "Die Herrichtungen der Stadtwaldungen, speziell des Schlossbergs, des Sternwaldes, der Waldseegegend und die Errichtung des Stadtgartens zeigen den deutlichen Beginn dieser Entwicklung".
Seinen Namen "Mösle", d.h. Kleiner Mooswald, im Gegensatz zum großen Mooswald im Westen der Stadt, verdankt er seinem Wasserreichtum. Unter dem Boden der Parklandschaft liegen die ältesten Quellfassungen der Stadt.
Der Waldsee selber ist kein natürliches Gewässer: 1877 wurden von der Freiburger Bezirksforstei zwei kleine Weiher zur Eisgewinnung angelegt. Man versprach sich vom Pachtzins des Bierbrauers Neumaier mehr Gewinn als von der forstlichen Nutzung.
Der Park entsteht aus den Anlagen am Waldsee, die nach 1879 vom "Verein zur Verschönerung der Stadt Freiburg und seiner Umgebung" und dem damaligen Stadtgärtner M.W. Schmöger angelegt und gepflegt wurden. In dieser Zeit wurde ein dritter, 6000 m² großer Weiher unterhalb der beiden anderen gebaut: "Denselben (Weiher) weiter für das Publikum zu einem angenehmen Belustigungsorte umbilden und ihn des weiteren mit Anlagen, von Wegen und Ruheplätzen umgeben, einrichten, sowie an einem Platz ein Restaurationsplatz von Baumstämmen zu erbauen". Ebenso wird im gleichen Jahr ein Kahnverleih eröffnet.
Mit Schreiben des Verschönerungsvereines an den "verehrlichen Stadtrath" wird eine Vergrößerung vorgeschlagen: 1881 wird der oberste, kleinste Weiher zuge-schüttet. Er hatte immer wenig Wasser geführt, und dieses wenige wird als morastik, unschön, übelriechend und gesundheitsschädlich beschrieben. An seiner Stelle entstehen Anlagen mit einem Spielplatz. Zu diesen Arbeiten beschäftigt die Stadt "brotlose Arbeiter". Mit der Vergrößerung bleiben zwei kleine Inseln stehen, von denen die nördliche heute noch erhalten ist.
Mit der Fertigstellung der sog. Höllentalbahn (1887) sollte der "Möslewald zu einem großen Stadtpark" nach einem Entwurf vom damaligen Stadtgärtner M.W. Schmöger (1845 - 1918) eingerichtet werden.
Ursprünglich war der Park im späten, schematisierten Stil eines Landschaftsparks angelegt worden; nach einer Umgestaltung nach dem Ersten Weltkrieg hat er heute einen strengeren, geometrischeren Grundriß. An der äußeren Form hat sich wenig verändert:
Anlaß für eine weitere Umgestaltung des Mösleparkes war der durch den Ersten Weltkrieg bedingte Verfall und das Verwildern der Anlagen. 1926 wurde mit der Durchforstung und gärtnerischen Verbesserungsarbeiten begonnen.
Mit den damals aktuellen Gartengestaltungsprinzipien entwickelte Robert Schimpf , Gartenamtsleiter von 1919 - 1946, ein eigenes Programm. Mit zwei Stilrichtungen - architektonischer Garten und Volkspark - beeinflusste er u.a. die Umgestaltung des Mösleparkes, die 1931 am Waldsee begann. Zuvor wurde 1922 das Möslestadion im Osten des Parkes eingeweiht.
1934 wird der Park um die Fläche nördlich der Bahn erweitert: Der vorhandene Hochwaldbestand wird gelichtet, das Unterholz wird gerodet und ein sog. Waldpark mit hainartig, auf Rasen stehenden Bäumen mit einem ein Kilometer langen Wege-netz entsteht. Ein fünf Meter breiter Hauptweg parallel zur Höllentalbahn und drei Meter breite Diagonal- und Querwege führen den Besucher durch den Park. Ausstattung sind ein Kinderspielplatz, eine symetrische Treppenanlage im westl. Teil, Rasenplätze und ein Blumenrondell mit Riesenvasen und Staudenflächen.
1946 zog das Gartenamt Bilanz: Der Stadtgarten war völlig zerstört, und man dachte als Ersatz an die Herrichtung des Mösleparkes, aber es war kein Geld und keine Arbeitskräfte vorhanden. Außerdem war es lebenswichtiger, Nahrungsmittel und Brennholz zu beschaffen. Im Mösle wurden Eschen und Nadelhölzer als Brennholz gefällt. Den unersetzlichen Wert der Alteichen erkannte man damals schon und ließ sie stehen. Die Pflege während und kurz nach dem Krieg war nicht möglich. Unter-wuchs und Sämlinge fingen an, die Rhododendren und Azaleen zu unterdrücken. Der Park wurde vernachlässigt.
Durch die vermehrten sportlichen Veranstaltungen im Möslestadion (FFC-Stadion) und dem naheliegenden Meßplatz stieg der Parkierungsdruck auf den Park. Reitwege, Hecken etc. mussten Stellplätzen weichen.
1950 wurde dann begonnen, die Waldsee- und Mösleanlagen zu durchforsten, die Wege- und Rasenflächen zu verbessern und die z.T. unterbrochenen Wasserleitungen von Brunnen und Wasserspeicher wiederherzustellen.
Im nördlichen Teil wurde zu Ehren Professor Dr. Konrad Guenther ein "Naturpark" eingerichtet und nach ihm benannt. Er erwarb seine Titel durch zoologische Forschungen an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg; gleichzeitig war er auch begeisterter Botaniker und Geologe und setzte sich für den Vogelschutz ein. Zwischen ihm und dem Gartenamt wurden für diesen Bereich Programme entwickelt, die dann sehr schleppend und nur z.T. aus finanziellen Gründen verwirklicht werden konnten.
1957 wird der Möslepark durch die "Anordnung zum Schutz von Landschaftsteilen zwischen Südrand des Stadtbezirks und dem Schauinsland (Lorettoberg-Günterstal-Littenweiler) mit einer Fläche von 2020 ha" zum Landschaftsschutzgebiet.
1960 entsteht im südlichen Möslepark eine Jugendverkehrsschule mit einem Unterrichtsraum sowie einem nachempfundenen städtischen Verkehrssystem.
1963 erfolgt der Bau eines Kindergartens der Arbeiterwohlfahrt neben dem Kinderspielplatz im Konrad-Guenther-Park mit weiteren Erweiterungen in den Folgejahren.
Durch diese Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte wurden die historischen Parkanlagen in ihren Strukturen verwischt. Zu den wichtigsten Mängeln gehören die nachteilige Umgestaltung des Wegenetzes, das Zuwachsen der Blickbeziehungen innerhalb des Parks und der für die Erlebnisvielfalt wichtigen Wiesen und Lichtungen.
Mit dem Bau der "B 31 Ost - neu" erfolgte ein besonders schwerer Eingriff in den Konrad-Guenther-Park, wobei hier versucht wird den Eingriff abzumildern. Mit Verlegung des Messegeländes wird eine insgesamte Beruhigung des Gebietes eintreten, die auch dem Möslepark zu Gute kommen wird.
zusammengestellt von U. Gradel
